Treffen 2003
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Treffen ehemaliger Schüler des früheren Knabenseminars

von Herbert Gummersbach ("Gummi")

Fast kann man schon von einer kleinen Tradition sprechen. Am 20./21.

September 2003 trafen sich zum dritten Mal die ehemaligen „Kasteser“ zu

einem Wochenende der Begegnung im Liborianum. (Leuten, die bei dem

Wort „Kasteser“ nach Übersetzungshilfen suchen, sei gesagt: So nannten

sich die ehemaligen Bewohner des Knabenseminars.) Im Abstand von fünf

Jahren gehört dieser „Programmpunkt“ zum festen Bestandteil des

Angebotes im Liborianum.

 

Vielen Besuchern der heutigen Bildungsstätte des Erzbistums Paderborn ist

nicht mehr bekannt, dass das Liborianum 132 Jahre lang von 1846 bis 1978

ein Knabenseminar war, in dem begabte Schüler aus der gesamten Diözese

in Zusammenarbeit mit dem Theodorianum – in den letzten Jahren auch mit

den neusprachlichen Gymnasien in Paderborn – in einem bewusst christlich

gestalteten Umfeld zum Abitur gelangen konnten. Eine breitere Information

in der aktuellen Internetpräsenz über diesen überaus bedeutsamen

Zeitabschnitt des Liborianums könnte – so die Meinung einiger Teilnehmer

des Treffens – diese Wissenslücke sicher schließen.

 

„Zwar sind wir“, so stand es in der Einladung zu diesem Treffen, „als

Kasteser ohne Nachwuchs eine aussterbende Spezies. Dennoch sind

unsere Erinnerungen an die damalige Zeit so lebendig, dass es wieder

einmal reizt, in ihnen zu schwelgen und den reichen Schatz an Kuriositäten

und Anekdoten noch einmal wachzurufen, aber auch Neuigkeiten

auszutauschen.“ So war es nicht verwunderlich, dass über 60 ehemalige

Internatsschüler sich nach Paderborn auf den Weg machten. Sie alle

verbrachten entscheidende Jahre ihres Lebens in diesem Hause und die

allermeisten haben dem „Kasten“ für ihren weiteren Lebensweg viel zu

verdanken. Kein Wunder also, dass einerseits das gemeinsame Erinnern an

alte Zeiten, andererseits aber auch das Interesse und die Neugier, was wohl

aus den ehemaligen Kollegen und Freunden geworden sei, für ein volles

Haus sorgten.

 

Die Programmgestaltung für dieses Treffen erwies sich als relativ einfach.

Ein „Renner“ ist immer wieder der in den 50iger Jahren mit dem späteren

Präses Mathei gedrehte Film “Kopf hoch, Hans“. Manch einer entdeckte sich

als ehemaliger Filmschauspieler. Ob mit stolzgeschwelter Brust oder doch

eher mit geneigtem Kopf, muss an dieser Stelle offen bleiben. Aber auch der

Blick in die aktuelle Situation war gefragt. In einem „Virtuellen Rundgang

durch das Liborianum“, vorgestellt von Herrn Schuff, dem Geschäftsführer

der Einrichtung, eröffnete manchem einen neuen Blick in seine alte

„Wirkungsstätte“. Schließlich packte der ehemalige Internatsschüler Heiko

Grosche, seit über 25 Jahren als bekannter Schauspieler unterwegs, eine

bunte Mischung von Episoden, Szenen und Anekdoten aus seinem

Requisitenkoffer. Ein weiterer Höhepunkt war natürlich das abendliche

Zusammensein im Kapuzinerkeller. „Weißt du noch...? Stimmt das...? Wie

geht es...? Was ist eigentlich aus...? Der geneigte Leser ahnt, dass es eine

lange Nacht wurde. Aber die Kasse stimmte.

 

Am anderen Morgen dann nach einem ausgiebigen Frühstück ein

beeindruckender Gottesdienst. Klaus Korfmacher, ebenso ehemaliger

Liborianer, schlug eine Brücke vom Film des Vortages zu einem Leben unter

Gottes weiser Führung. Im Film wird einem ankommenden Schüler großes

Vertrauen in seine Möglichkeiten entgegengebracht, so dass er seinen

neuen Lebensabschnitt voller Hoffnung und Zuversicht beginnen kann. Ein

Bild, mit dem sich auf einprägsame Weise der Umgang Gottes mit den

Menschen ausmalen lässt. Am Ende des Gottesdienstes dann bewegende

Worte des ehemaligen Präses Josef Maaßen. Ein einfühlsamer Blick in die

Zeit des Internates während seiner Leitung machte alle sehr nachdenklich.