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hl.Franziskus
Pauli und Mini-Pauli
Krankennonne
Brettbohnenkaffee

Das "Erzbischöfliche Knabenseminar Paderborn"

gibt es seit 1979 Gott sei Dank nicht mehr. Oder sollten wir lieber dem hl.Franziskus als stillem Fluchthelfer danken? Dieser befindet sich aber nicht mehr als Kletterhilfe an der Außenmauer, sondern wurde - da aus ungeklärter Ursache beschädigt - in den Innenhof gegenüber der Kirche neu aufgestellt, wie wir bei einem Besuch im Kasten feststellen mussten. Deshalb, und da ja nun niemand mehr über die Mauer fliehen oder zu seiner Liebsten ausbüchsen muss, ist eine neuerliche Beschädigung wohl endgültig auszuschließen.

Nun aber zum Thema: Wir, das sind die Brüder

Bernhard und Rudolf Willig,

besser bekannt als Pauli und Mini-Pauli. In einer ad hoc Aktion haben wir gewagt, den Ort der unerträglichen Quälerei noch einmal zu besuchen und oh Wunder, trotz anfänglicher Abwehrhaltung einer immer noch wichtigen Nonne (die stellte doch tatsächlich sofort die Frage: "Wo wollen Sie denn hin?") sollte uns Irene, die damalige Helferin der Krankennonne, mal eben den Speisesaal zeigen.

Irene, die gute Seele, zeigte aber nicht nur den Speisesaal sondern auch ein erstaunliches Erinnerungsvermögen und ließ -wie schon bei früher vorgetäuschten Fieberanfällen- eine kleine Flucht zu, so dass eine Besichtigung der Stätte des immerwährenden schlechten Gewissens fast unkontrolliert stattfinden konnte.

Manches im Hause hat sich verändert, vieles ist aber noch wie damals. Im Keller steht immer noch der alte Billardspieltisch mit dem Hebel-Zählwerk, der Speiseraum hat zwar kein Podest und keine Durchreiche mehr, das miserable Essen und der Brettbohnenkaffee kann quasi immer noch gerochen werden. Erinnerungen sind überall und schnell aufgefrischt.

Wer kennt nicht mehr das Gefühl auf dem Spintboden, wenn man schwermütig am Sonntag dort seine Siebensachen abladen musste, eine harte Woche unter der Knute von Gödde, Weber und Konsorten vor sich. (Vokabeln natürlich nicht gelernt!)

Erinnern kann man auch den eigentümlichen Geruch ebenda und der ist immer noch derselbe, beim Betreten des Raumes ist alles wie gestern. Durch Bautätigkeiten bedingt war der ehemals verschlossene Bodenraum über dem Oratorium offen und dort hinter der Tür hatte Bernhard seinerzeit den Clubnamen der unerlaubten Besucher mit Kreide angeschrieben: "Die schwarze Hand".

Diese Schrift -wie eben gerade angebracht- zu lesen hat uns dann doch umgehauen, ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis wenn man bedenkt, dass dort in der ganzen Zeit niemand gewesen ist.

Irene berichtete dann noch von einem Film, den der damalige Präfekt und spätere Präses Karl-Rainer Mathei 1956 zusammen mit Willi Wedegärtner angefertigt hatte. Dieser Film mit dem Titel "Kopf hoch Hans" wurde uns freundlicherweise vom Medienzentrum Paderborn auf Video kopiert*.

 

*Inzwischen ist der Film auch digital als mpeg verfügbar.